WIFI4EU: erste Bewerbungsrunde storniert

14
Jun
4 Min.
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Mit dem Projekt »WIFI4EU« will die Europäische Kommission die Errichtung von öffentlich zugänglichen WLAN-Hotspots in Gemeinden der EU-Länder fördern. Hierfür werden den Gemeinden, die nach ihrer Bewerbung um Förderung den Zuschlag erhaten, pauschal 15.000 Euro für die Installation von WLAN-Hotspots zur Verfügung gestellt. Die erste Bewerbungsrunde startete am 15. Mai 2018 – und wurde nur Stunden später anulliert.

Riesiger Ansturm der Bewerber

Nur Sekunden nach der Eröffnung des Bewerber-Portals WIFI4EU.eu registrierten sich bereits über 5.000 Gemeinden; innerhalb von wenigen Stunden waren es 11.000. Doch nach Hinweisen eines Teilnehmers musste das Portal stillgelegt werden. Ein für die EU äußerst peinlicher Software-Fehler verhinderte die genaue Bestimmung des zeitlichen Eingangs der Bewerbungen – aber genau dieser zeitliche Eingang ist ein wesent­licher Bestand­teil der Auswahl­kriterien für die Gewährung der Förder­gelder.

Was war passiert?

Beim Eingang einer Bewerbung erzeugte die Software den Zeitstempel dafür nicht aus der Systemzeit des EU-Servers, sondern speicherte die Systemzeit des Rechners ab, den der jeweilige Bewerber für die Eingabe der Daten nutzte. Da sich manche EU-Länder in anderen Zeitzonen befinden, hätten einige Bewerber (unbeabsichtigt) einen unfairen Vorteil gegenüber anderen Bewerbern erreicht.

Aber auch mutwillige Manipulationen der Zeit der Einreichung der Bewerbung wären möglich gewesen, indem man einfach die Systemzeit seines Rechners verändert. Damit war die Fairniss bei dem Auswahlverfahren nicht mehr gegeben.

Der EU-Abgeordnete Markus Ferber (CSU) machte den Vorfall öffentlich und mutmaßte:

»Die Kommission versucht, Technologien des 21. Jahrhunderts voranzutreiben und wendet dabei Methoden des 19. Jahrhunderts an«.

Das World Wide Web in Zeiten der Dampfmaschinen

Wenn sich die EU in den Zeiten verrechnet, dann aber richtig, also auch bei der Kritik an solchen Fehlern. Denn nichts könnte an Ferbers Aussage falscher sein: Nicht nur gab es im »19. Jahrhundert« (also in den Jahren 1801 bis 1900) noch gar kein World Wide Web, sondern es sind eben gerade die Techniken des 21. Jahrhunderts (»RESTful API«, »AJAX«), die den Web-Designer dazu verleiteten, die Systemzeit des Rechners eines Bewerbers für den Eingang der Bewerbung abzuspeichern. Man will ja »hip« sein und lagert heutzutage möglichst sämtliche Verarbeitungs­schritte in den Web-Browser aus, so eben auch die Erzeugug eines Zeitstempels.

Mit den Methoden des 20. Jahrhunderts allerdings hätte der Fehler mit den falschen Zeitstempeln gar nicht erst passieren können. Vielleicht hätte die EU-Kommission besser einen erfahrenen »alten Hasen« gefragt; schließlich gab es Ausschreibungen mit begrenztem Zeit­fenster auch schon Ende der 1990er Jahre, als das Web gerade mal ein paar Jahre in der öffentlichen Wahrnehmung angekommen war.

Erklärung der zuständigen EU-Kommissarin

Am 14. Juni gab die für die digitale Wirtschaft und Gesellschaft zuständige EU-Kommissarin Mariya Gabriel eine Erklärung dazu ab:

»Während der Untersuchung stellte die Kommission einen Fehler in der von den Auftragnehmern gelieferten Software fest. Dieses Problem erlaubte es einigen Gemeinden, sich in gutem Glauben zu bewerben, noch bevor die Ausschreibung eröffnet wurde, während es andere daran hinderte, dies zu tun, nachdem die Ausschreibung eröffnet worden war.

Die Kommission legt großen Wert auf die Grundsätze der Fairness, Transparenz und Zuverlässigkeit. Da dieses technische Problem alle Kommunen daran hinderte, sich gleich­berechtigt zu bewerben, habe ich meine Dienststellen angewiesen, diese erste Bewerbungs­runde zu annullieren.«

Erste Runde storniert – Neustart im Herbst

»Ab heute informieren wir alle auf dem Portal registrierten Gemeinden über diese Entscheidung.«

so Mariya Gabriel weiter,

»Ihre Anmeldungen bleiben für zukünftige Bwerbungen gültig, die Gemeinden dann mit einem Klick erneut einreichen können. Diejenigen, die sich noch nicht auf dem Portal registriert haben, können dies tun, wenn es vor der nächsten Runde im Herbst 2018 wieder geöffnet wird, sobald die IT-Probleme vollständig gelöst sind.«

Der Start der nächsten Bewerbungs­runde ist für die zweite September­hälfte 2018 geplant. Auf eine genaue Uhrzeit wollte man sich wohl lieber noch nicht festlegen.

WIFI4U – WLAN für Dich

maxspot® startete zusammen mit TP-Link ein Angebot, bei dem nicht nur Gemeinden, sondern alle öffentlichen Einrichtungen einen Rabatt von 10% auf den Listenpreis für TP-Link-Produkte erhalten – ganz ohne Bewerbung. Dieses Angebot ist gültig vom 1. Juni bis 30. September 2018 23:59 Uhr – Serverzeit :-)

Mehr Informationen zu den Geräten, Techniken und den Voraussetzungen für die Inanpsruch­nahme der Rabattaktion finden Sie unter WIFI4U.net.

[Update 28. Juli:] Ab sofort ist für WLAN-Hotspots in Außenbereichen eine Technik verfügbar, die mit den neuen Gigabit-Outdoor-APs EAP225-Outdoor eine einfache und sehr preis­günstige Installation von öffentlichen WLAN-Hotspots mittels Mesh-Netzen ermöglicht.